Thesaurierend oder ausschüttend? Die Entscheidung nach Steuern
Seit der Vorabpauschale ist der alte Reflex „thesaurierend = steuerlich besser“ nicht mehr automatisch richtig. Bei einem Basiszins von 3,20 % zahlen auch Thesaurierer jedes Jahr spürbar Steuern — und für kleinere Depots dreht der Sparer-Pauschbetrag die Rechnung sogar um. Hier ist die Nach-Steuer-Rechnung, die kaum jemand macht.
Die konkrete Rechnung bei 100.000 € Depotwert
Thesaurierer: Die Vorabpauschale beträgt Fondswert × Basiszins × 0,7 — bei 100.000 € und 3,20 % also 2.240 €. Nach 30 % Teilfreistellung sind 1.568 € steuerpflichtig, macht bei 26,375 % (Abgeltungsteuer + Soli) rund 414 € Steuer — gedeckelt auf die tatsächliche Wertsteigerung des Jahres.
Ausschütter: Bei 2 % Ausschüttung fließen 2.000 €, davon nach Teilfreistellung 1.400 € steuerpflichtig — rund 369 € Steuer. Die Differenz ist also längst nicht mehr dramatisch. Der eigentliche Thesaurierer-Vorteil bleibt der Stundungseffekt: Die Vorabpauschale ist niedriger als die volle Ertragsbesteuerung, der Rest wird erst beim Verkauf fällig und compoundet bis dahin weiter.
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Sparer-Pauschbetrag: der Break-Even nach Depotgröße
Für kleinere Depots kehrt sich das Bild um. Wer seinen Sparer-Pauschbetrag (1.000 €, verheiratet 2.000 €) nicht anderweitig ausschöpft, verschenkt ihn — und Ausschüttungen füllen ihn Jahr für Jahr automatisch mit steuerfreien Erträgen. Die Faustformel: Bei 2 % Ausschüttungsrendite und 30 % Teilfreistellung deckt der Pauschbetrag Ausschüttungen aus rund 70.000 € Depotwert (verheiratet: rund 140.000 €) komplett steuerfrei ab.
- Unterhalb des Break-Evens: Ausschütter nutzen den Pauschbetrag voll und heben Erträge faktisch steuerfrei — jeder steuerfrei vereinnahmte Euro heute schlägt den Stundungseffekt.
- Oberhalb des Break-Evens: Der Thesaurierer gewinnt zunehmend, weil der Stundungsvorteil auf den nicht ausgeschütteten Erträgen über 20 Jahre erheblich compoundet.
- Pragmatischer Mittelweg: Ausschütter bis zur Pauschbetrag-Grenze, darüber thesaurierend — oder ein Wechsel der Sparrate, sobald der Break-Even erreicht ist (Bestand wegen FIFO nicht zwingend verkaufen).
| Kriterium | Thesaurierend | Ausschüttend |
|---|---|---|
| Laufende Steuer | Vorabpauschale (rund 414 € je 100.000 €) | Auf Ausschüttungen (rund 369 € je 100.000 € bei 2 %) |
| Sparer-Pauschbetrag | Nur über Vorabpauschale genutzt | Automatisch jährlich ausgeschöpft |
| Stundungseffekt | Stark — Hauptsteuer erst bei Verkauf | Gering |
| Wiederanlage | Automatisch im Fonds | Manuell (ggf. Ordergebühren) |
| Sinnvoll ab | rund 70.000 € Depotwert | darunter bzw. bei Entnahmebedarf |
Häufige Fragen
Fällt die Vorabpauschale jedes Jahr an?
Nur in Jahren mit positiver Wertentwicklung und positivem Basiszins. Sie ist auf die tatsächliche Wertsteigerung gedeckelt und wird beim späteren Verkauf angerechnet.
Ab welcher Depotgröße lohnt sich thesaurierend?
Als Faustformel ab rund 70.000 € (verheiratet 140.000 €) bei 2 % Ausschüttungsrendite — dann ist der Sparer-Pauschbetrag ausgeschöpft und der Stundungseffekt überwiegt.
Soll ich bestehende Ausschütter in Thesaurierer tauschen?
Meist nein: Der Verkauf versteuert nach FIFO zuerst die ältesten Anteile mit den höchsten Gewinnen. Besser die laufende Sparrate umstellen und den Bestand halten.
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