Der Gerd-Kommer-ETF: Was steckt im Multifaktor-Weltportfolio?
Der L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF ist seit Juni 2023 handelbar und hat sich schnell zu einem der meistdiskutierten Produkte der deutschen ETF-Szene entwickelt. Die Frage für Fortgeschrittene lautet nicht, wer Kommer ist, sondern: Rechtfertigt die Index-Konstruktion den TER-Aufschlag von rund 0,50 % gegenüber einem simplen Welt-ETF?
Die Konstruktion: Multifaktor trifft Gewichtungs-Mix
Der zugrunde liegende Solactive Gerd Kommer Multifactor Equity Index weicht in drei Punkten bewusst von der reinen Marktkapitalisierung ab:
- Gewichtungs-Mix: Länder werden je zur Hälfte nach Marktkapitalisierung und nach BIP gewichtet. Ergebnis: Der US-Anteil sinkt von rund 70 % (MSCI World) auf etwa 45–50 %.
- Faktor-Tilts: Übergewichtung von Value, Quality, Momentum, Size und Investment — die klassischen Prämien des Factor Investing.
- Kappungen: Einzeltitel werden bei rund 1 % gedeckelt; dazu kommen ESG-Ausschlüsse. Mit rund 2.000 Titeln inklusive Schwellenländern ist die Streuung breit, wenn auch unter dem ACWI-IMI-Niveau.
Steuerlich ist der ETF ein normaler Aktienfonds mit 30 % Teilfreistellung; es gibt eine thesaurierende und eine ausschüttende Anteilsklasse.
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Performance gegen den MSCI ACWI IMI: der ehrliche Blick
Seit Auflage liegt der Kommer-ETF hinter dem MSCI ACWI IMI zurück. Das ist keine Überraschung, sondern Konsequenz der Konstruktion: Wer die USA und die größten Tech-Konzerne untergewichtet, verliert in einer Phase, in der genau diese den Markt treiben. Die Wette des Produkts ist langfristig: Faktorprämien und geringere Konzentration sollen sich über volle Zyklen auszahlen — historisch brauchten Faktorstrategien dafür teils Jahrzehnte, mit langen Durststrecken.
Konkret kostet der Aufschlag: Bei 100.000 € Anlagesumme bedeuten rund 0,33 Prozentpunkte TER-Differenz (0,50 % vs. rund 0,17 % beim SPDR ACWI IMI) etwa 330 € Mehrkosten pro Jahr — die der Faktor-Mix erst einmal verdienen muss.
| Kriterium | L&G Gerd Kommer ETF | MSCI ACWI IMI (SPDR) |
|---|---|---|
| TER | rund 0,50 % | rund 0,17 % |
| Anzahl Titel | rund 2.000 | mehrere Tausend (Sampling) |
| USA-Anteil | etwa 45–50 % | rund 60–65 % |
| Gewichtung | 50 % Market Cap / 50 % BIP + Faktoren | Marktkapitalisierung |
| Einzeltitel-Kappung | rund 1 % | keine |
Für wen der ETF passt — und für wen nicht
Der Kommer-ETF ist eine konsequente One-Fund-Lösung für Anleger, die das US-Klumpenrisiko reduzieren und an Faktorprämien glauben — und die Disziplin haben, auch nach fünf Jahren Underperformance nicht zu verkaufen. Wer dagegen primär günstige, prognosefreie Marktrendite will, fährt mit einem ACWI-IMI- oder FTSE-All-World-Produkt kostengünstiger. Ein Mittelweg: den Kommer-ETF als Beimischung neben einem Standard-Welt-ETF zu halten, statt das ganze Depot auf eine Konstruktionswette zu setzen.
Häufige Fragen
Warum läuft der Gerd-Kommer-ETF schlechter als der MSCI ACWI?
Vor allem wegen der US- und Mega-Cap-Untergewichtung: Die BIP-Komponente und die 1-%-Kappung bremsen in Phasen, in denen große US-Tech-Werte den Markt treiben.
Ist der TER-Aufschlag von rund 0,50 % gerechtfertigt?
Nur, wenn die Faktorprämien langfristig liefern. Bei 100.000 € kostet die Differenz zu einem ACWI-IMI-ETF rund 330 € pro Jahr — das ist die Hürde, die die Strategie schlagen muss.
Gibt es den ETF auch ausschüttend?
Ja, neben der thesaurierenden existiert eine ausschüttende Anteilsklasse. Beide gelten steuerlich als Aktienfonds mit 30 % Teilfreistellung.
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