Entnahmeplan-Rechner: Vom Depot leben — realistisch durchgerechnet
Die entscheidende Frage der Entnahmephase lautet nicht „Wie viel darf ich entnehmen?", sondern „Wie lange hält das Depot bei welcher Entnahme durch?". Wer das nur mit Durchschnittsrendite rechnet, unterschätzt zwei Faktoren systematisch: das Sequence-of-Returns-Risiko und die Steuern, die in Deutschland nach dem FIFO-Prinzip bei jedem Verkauf anfallen.
Mit oder ohne Kapitalverzehr: zwei sehr verschiedene Zahlen
Ohne Kapitalverzehr entnimmst du nur die reale Rendite — das Depot bleibt nominal erhalten. Bei 500.000 € und konservativ 3 % realer Entnahme sind das 1.250 € monatlich, theoretisch unbegrenzt. Mit Kapitalverzehr steigt die mögliche Entnahme deutlich: Dieselben 500.000 € tragen bei rund 5 % nominaler Rendite und 2 % Inflation etwa 2.200–2.400 € real über 30 Jahre — am Ende ist das Depot aufgebraucht. Die Spannbreite zwischen beiden Modellen ist der eigentliche Gestaltungsspielraum, den die 4%-Regel nur grob abdeckt.
| Modell | Monatliche Entnahme (500.000 €) | Depot nach 30 Jahren |
|---|---|---|
| Ohne Verzehr (3 % real) | rund 1.250 € | real erhalten |
| Mit Verzehr, 30 Jahre | rund 2.200–2.400 € | 0 € |
| 4%-Regel (statisch) | rund 1.670 € + Inflationsanpassung | historisch meist > 0, nicht garantiert |
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Sequence-of-Returns-Risiko: Warum der Durchschnitt lügt
Zwei Rentner mit identischer Durchschnittsrendite können völlig unterschiedlich enden: Wer in den ersten fünf Jahren einen Crash erwischt und parallel entnimmt, realisiert Verluste, die spätere Erholungen nicht mehr aufholen. Dagegen helfen:
- Cash-Puffer: 2–3 Jahresentnahmen in Tagesgeld oder Geldmarkt-ETF, aus dem du in Schwächephasen entnimmst.
- Dynamische Entnahme: Entnahme an den Depotstand koppeln (z. B. fester Prozentsatz mit Ober-/Untergrenze) statt starrer Inflationsanpassung.
- Flexibilität einplanen: Wer in Crashjahren 10–20 % weniger entnehmen kann, erhöht die Überlebensdauer des Depots drastisch.
Steuern nicht vergessen: FIFO frisst mit
Jede Entnahme ist ein Verkauf — und der Broker verkauft nach dem FIFO-Prinzip die ältesten Anteile zuerst: genau die mit den höchsten Kursgewinnen. Auf den Gewinnanteil fallen 26,375 % an, bei Aktien-ETFs gemildert durch 30 % Teilfreistellung (effektiv rund 18,5 %). Praktisch heißt das: Für 2.000 € netto musst du je nach Gewinnquote eher 2.200–2.400 € brutto entnehmen. Ein realistischer Entnahmeplan rechnet brutto — und berücksichtigt bereits gezahlte Vorabpauschalen, die die Steuerlast beim Verkauf mindern.
Häufige Fragen
Wie lange reichen 500.000 € bei 2.000 € monatlicher Entnahme?
Bei rund 5 % nominaler Rendite, 2 % Inflation und inflationsangepasster Entnahme typischerweise um die 30 Jahre — vor Steuern. Mit Steuern und schlechter Renditereihenfolge auch deutlich weniger, deshalb mit Puffer und dynamischen Regeln planen.
Statische oder dynamische Entnahme — was ist besser?
Dynamische Regeln (Entnahme als Prozentsatz des aktuellen Depotwerts mit Leitplanken) senken das Pleiterisiko deutlich, kosten aber Planbarkeit beim monatlichen Budget. Ein Mix mit Cash-Puffer ist für die meisten der praktikable Kompromiss.
Wie stark schmälern Steuern die Entnahme wirklich?
Verkauft werden per FIFO zuerst die ältesten Anteile mit den höchsten Gewinnen. Bei hoher Gewinnquote gehen effektiv rund 15–18 % der Entnahme an den Fiskus — der Unterschied zwischen Brutto- und Netto-Entnahmeplan ist erheblich.
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