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4%-Regel im Realitäts-Check: Was von der Faustformel übrig bleibt

Die 4%-Regel ist die bekannteste Faustformel der Entnahmeplanung: Wer im ersten Jahr 4 % des Depotwerts entnimmt und den Betrag danach jährlich an die Inflation anpasst, dessen Kapital hielt historisch mindestens 30 Jahre durch. Das 25-fache der Jahresausgaben gilt seither als Zielmarke der finanziellen Unabhängigkeit.

Nur: Die Regel stammt aus US-Daten, ignoriert Steuern komplett — und genau da wird es für deutsche Depots interessant.

Was die Trinity-Studie wirklich zeigt

Die Trinity-Studie (1998) testete Entnahmeraten gegen US-Marktdaten ab 1926: Bei 4 % Anfangsentnahme und einem Aktienanteil von 50–75 % überstand das Portfolio in rund 95 % der historischen 30-Jahres-Fenster. Drei Einschränkungen werden dabei gern unterschlagen:

  • US-Bias: Der US-Aktienmarkt war im 20. Jahrhundert einer der besten weltweit. Mit global diversifizierten Renditen und heutigen Bewertungsniveaus rechnen viele Untersuchungen eher mit sicheren Raten von 3 bis 3,5 %.
  • 30 Jahre sind nicht 40+: Wer mit 45 aussteigt, braucht einen längeren Horizont — die Versagensquote steigt mit jedem Jahrzehnt.
  • Keine Kosten, keine Steuern: Die Studie rechnet brutto. TER, Transaktionskosten und vor allem die Abgeltungsteuer fehlen.
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Die deutsche Steuerrealität: Was von 4 % netto bleibt

Bei jedem Verkauf besteuert Deutschland den Gewinnanteil mit 26,375 % (Abgeltungsteuer + Soli), bei Aktien-ETFs nach Abzug der Teilfreistellung von 30 %. Verschärfend wirkt das FIFO-Prinzip: Verkauft werden steuerlich immer die ältesten Anteile zuerst — also genau die mit dem höchsten Gewinnanteil.

Beispielrechnung: Depot 800.000 €, Entnahme 4 % = 32.000 € im Jahr. Stecken in den verkauften (ältesten) Anteilen 60 % Gewinn, sind 19.200 € steuerbar; nach Teilfreistellung bleiben 13.440 €, darauf rund 3.545 € Steuer. Netto kommen also rund 28.500 € an — die effektive Belastung liegt hier bei gut 11 % der Entnahme, nicht bei 26 %. Bereits gezahlte Vorabpauschalen mindern die Verkaufsgewinne zusätzlich. Wer netto 32.000 € braucht, muss die Bruttoentnahme entsprechend höher ansetzen — genau dafür lohnt der Entnahmeplan-Rechner mit Steuer- und FIFO-Logik.

Sequence-of-Returns-Risiko und dynamische Regeln

Die Durchschnittsrendite entscheidet nicht allein — die Reihenfolge der Jahre tut es. Ein Crash in den ersten fünf Entnahmejahren zwingt dich, in fallende Kurse hinein zu verkaufen, und kann ein Depot scheitern lassen, das bei gleicher Durchschnittsrendite mit gutem Start locker durchgehalten hätte. Bewährte Gegenmittel:

  • Cash-Puffer von zwei bis drei Jahresausgaben (z. B. im Geldmarkt-ETF), aus dem du in Crashjahren entnimmst.
  • Dynamische Entnahme: Nach schlechten Jahren die Inflationsanpassung aussetzen oder die Entnahme um 5–10 % kürzen (Guardrails-Ansatz) — das hebt die tragfähige Anfangsrate spürbar.
  • Konservativer Start: 3 bis 3,5 % für Horizonte über 30 Jahre; das nötige Kapital dafür liefert die Rentenlücken-Rechnung.

Häufige Fragen

Gilt die 4%-Regel auch für deutsche Anleger?

Nur eingeschränkt. Die Trinity-Studie rechnet mit US-Renditen und ohne Steuern. Mit Abgeltungsteuer, FIFO und global diversifizierten Renditen sind 3 bis 3,5 % brutto die vorsichtigere Planungsbasis — dynamische Regeln können wieder Richtung 4 % heben.

Wie viel Kapital brauche ich für 2.000 € monatlich?

Bei 4 % Entnahmerate das 25-fache der Jahresausgaben: 24.000 € × 25 = 600.000 €. Bei konservativen 3,5 % sind es rund 686.000 € — Steuern auf die Entnahmen noch nicht eingerechnet.

Was ist das Sequence-of-Returns-Risiko?

Das Risiko, dass schlechte Börsenjahre ausgerechnet am Anfang der Entnahmephase liegen. Verkäufe in fallende Kurse zehren das Kapital überproportional auf — Cash-Puffer und flexible Entnahmen sind die wichtigsten Gegenmittel.

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MoneyPeak Redaktion
Analyse & Research
Aktualisiert am 12.06.2026

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Kaufempfehlung dar. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden.