S&P 500 vs. Nasdaq 100 — der ehrliche Vergleich
Der Nasdaq 100 hat den S&P 500 über die letzten 15 Jahre deutlich geschlagen — und genau deshalb landet er in immer mehr Depots als vermeintlich „besserer S&P 500". Die Rechnung ignoriert allerdings zwei Dinge: die Drawdown-Historie und die Tatsache, dass beide Indizes sich massiv überschneiden. Wer beide hält, diversifiziert nicht, sondern hebelt sein US-Tech-Exposure.
Struktur: 500 Titel vs. 100 Titel ohne Finanzwerte
Der S&P 500 bildet rund 500 der größten US-Unternehmen über alle Sektoren ab. Der Nasdaq 100 enthält die 100 größten Nicht-Finanzwerte der Nasdaq — faktisch ein Tech- und Growth-Filter mit deutlich höherer Konzentration: Die Top 10 machen im Nasdaq 100 spürbar mehr Gewicht aus als im ohnehin schon kopflastigen S&P 500.
Entscheidend für die Depotpraxis: Nahezu alle Nasdaq-100-Titel stecken auch im S&P 500. Wer beide ETFs kombiniert, kauft Apple, Microsoft und Nvidia doppelt. Wie groß die Überschneidung in deinem Depot konkret ist, zeigt dir die ETF-Überschneidungsanalyse auf Positionsebene.
| Kriterium | S&P 500 | Nasdaq 100 |
|---|---|---|
| Anzahl Titel | rund 500 | 100 (ohne Finanzsektor) |
| Sektorfokus | breit, alle 11 Sektoren | Tech- und Growth-lastig |
| Max. Drawdown Dotcom-Crash | rund −49 % | rund −83 % |
| Drawdown 2022 | rund −25 % | rund −33 % |
| Volatilität (langfristig) | niedriger | deutlich höher |
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Die Drawdown-Realität: Rendite-Boost hat einen Preis
Nach dem Platzen der Dotcom-Blase verlor der Nasdaq 100 rund 83 % und brauchte etwa 15 Jahre, um sein Hoch von 2000 wieder zu erreichen. Der S&P 500 fiel im selben Zeitraum rund 49 % und erholte sich erheblich schneller. Auch 2022 zeigte das Muster: rund −33 % gegen rund −25 %.
Konkret: Bei 100.000 € Depotwert bedeutete ein Dotcom-Szenario im Nasdaq 100 einen Buchverlust von rund 83.000 € — und über ein Jahrzehnt Wartezeit. Die historische Mehrrendite seit 2009 ist real, aber sie ist die Vergütung für genau dieses Risiko, kein Gratis-Alpha.
Satellite-Logik statt Entweder-oder
Die sinnvollere Frage ist nicht „welcher Index", sondern „wie viel Nasdaq 100 verträgt mein Portfolio". Als Beimischung von 10–20 % neben einem breiten Core lässt sich das Tech-Exposure dosieren, ohne das Gesamtdepot vom Schicksal weniger Mega-Caps abhängig zu machen — die klassische Core-Satellite-Strategie.
- Nur S&P 500: breiter, robuster, aber bereits rund 30 % Tech-Anteil.
- Nur Nasdaq 100: maximales Growth-Exposure, historisch brutale Drawdowns.
- Core + Satellite: kontrollierte Übergewichtung mit klarer Obergrenze.
Steuerlich sind beide gleichgestellt: Aktien-ETFs mit 30 % Teilfreistellung, Gewinne unterliegen der Abgeltungsteuer von 26,375 % inkl. Soli.
Häufige Fragen
Ist der Nasdaq 100 langfristig besser als der S&P 500?
Seit 2009 ja, über die volle Historie inklusive Dotcom-Crash relativiert sich der Vorsprung deutlich. Die Mehrrendite ist eine Risikoprämie für höhere Volatilität und tiefere Drawdowns, keine sichere Gesetzmäßigkeit.
Kann ich S&P 500 und Nasdaq 100 zusammen halten?
Möglich, aber fast alle Nasdaq-100-Titel stecken bereits im S&P 500. Die Kombination erhöht die Konzentration in denselben Mega-Caps, statt zu diversifizieren.
Wie viel Nasdaq 100 ist als Beimischung sinnvoll?
Üblich sind 10–20 % als Satellite neben einem breiten Core. Damit bleibt der Drawdown-Beitrag begrenzt, das Tech-Übergewicht aber spürbar.
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