Fear & Greed Index: Marktstimmung live — und was du daraus machst
Der Fear & Greed Index von CNN verdichtet die Stimmung am US-Aktienmarkt in eine einzige Zahl zwischen 0 und 100. Werte unter 25 signalisieren extreme Angst, Werte über 75 extreme Gier. Für erfahrene Anleger ist er kein Timing-Signal, sondern ein Kontraindikator: Die interessantesten Phasen waren historisch genau dann, wenn der Index in den Extremzonen stand.
Entscheidend ist, wie der Wert zustande kommt — und was Extremwerte in der Vergangenheit tatsächlich für die Folgerenditen bedeutet haben.
So berechnet CNN den Index: die sieben Komponenten
Der Index mittelt sieben gleichgewichtete Teilindikatoren, die jeweils messen, ob ein Marktsignal über oder unter seinem üblichen Niveau liegt:
- Marktmomentum: S&P 500 relativ zu seinem 125-Tage-Durchschnitt
- Kursstärke: Verhältnis von 52-Wochen-Hochs zu -Tiefs an der NYSE
- Marktbreite: Volumen steigender vs. fallender Aktien (McClellan-Logik)
- Put/Call-Ratio: Absicherungsnachfrage am Optionsmarkt
- Volatilität: VIX relativ zu seinem 50-Tage-Durchschnitt
- Nachfrage nach Hochzinsanleihen: Spread zwischen Junk Bonds und Investment Grade
- Safe-Haven-Nachfrage: relative Performance von Aktien gegenüber Staatsanleihen
Kein einzelner Indikator ist für sich aussagekräftig — die Aggregation glättet Ausreißer und macht den Index robuster als jede Einzelkomponente.
| Indexstand | Zone |
|---|---|
| 0–24 | Extreme Angst (Extreme Fear) |
| 25–44 | Angst |
| 45–55 | Neutral |
| 56–75 | Gier |
| 76–100 | Extreme Gier (Extreme Greed) |
KI-gestützte Aktien- und Portfolio-Analyse mit Sentiment, Risiko-Score und Research-Assistent – kostenlos testen.
Extremwerte als Kontraindikator: was die Historie zeigt
Die Logik ist klassisch antizyklisch: Wenn alle Angst haben, ist viel Negatives bereits eingepreist. Im März 2020 und im Herbst 2008 notierte der Index tief in der Extreme-Fear-Zone — beide Phasen erwiesen sich rückblickend als außergewöhnlich günstige Einstiegszeitpunkte. Umgekehrt gingen ausgeprägte Greed-Phasen häufig unterdurchschnittlichen Folgerenditen voraus.
Aber: Der Zusammenhang ist statistisch verrauscht. Extreme Angst kann wochenlang anhalten, während die Kurse weiter fallen. Wer den Index als präzises Kauf- oder Verkaufssignal nutzt, überschätzt ihn. Seriös einsetzbar ist er als Disziplin-Werkzeug: In Extreme-Greed-Phasen Neukäufe kritischer prüfen, in Extreme-Fear-Phasen den Sparplan gerade nicht aussetzen.
Sentiment im eigenen Prozess nutzen
Am meisten Wert liefert der Index in Kombination mit Bewertung und Positionsgrößen: Steht er bei extremer Gier und dein Depot ist nach einem Lauf übergewichtet in Tech, ist das ein konkreter Anlass fürs Rebalancing. MoneyPeak ergänzt das CNN-Sentiment um einen eigenen, NLP-basierten Sentiment-Score auf Einzelaktien-Ebene — so siehst du nicht nur die Marktstimmung, sondern auch die Stimmung zu deinen Positionen. Wie du Stimmungsindikatoren wie Put/Call-Ratio und AAII-Umfrage systematisch kombinierst, zeigt der Beitrag zum Marktsentiment.
Häufige Fragen
Wie oft wird der Fear & Greed Index aktualisiert?
CNN berechnet den Index laufend während der US-Handelszeiten neu. Für die Einordnung reicht in der Praxis der Tagesschlusswert — Intraday-Schwankungen haben kaum Aussagekraft.
Ist extreme Angst ein verlässliches Kaufsignal?
Nein. Historisch folgten auf Extreme-Fear-Phasen zwar überdurchschnittlich oft positive 6- bis 12-Monats-Renditen, der Index kann aber wochenlang im Extrembereich verharren, während Kurse weiter fallen. Er taugt als Disziplin-Hilfe, nicht als Timing-Instrument.
Was ist der Unterschied zum Crypto Fear & Greed Index?
Der Crypto Fear & Greed Index ist ein separater Indikator (u. a. von Alternative.me) für den Bitcoin-Markt mit eigener Methodik. Er hat mit dem CNN-Index außer dem Namen und der 0-100-Skala nichts gemein.
KI-gestützte Aktien- und Portfolio-Analyse mit Sentiment, Risiko-Score und Research-Assistent – kostenlos testen.
